Helmut Lindenblatt, Pommern 1945. Eines der letzten Kapitel in der Geschichte vom Unter 
gang des Dritten Reiches. Verlag Gerhard Rautenberg Leer 1984. 402 S. 
Die Ereignisse des Jahres 1945 in Pommern finden in ihrer Bedeutung für die Geschichte jenes 
Landes in den letzten sieben Jahrhunderten keinen Vergleich. Es ist deswegen zu begrüßen, daß 
sie erneut dargestellt worden sind. Die Umwälzung aller Verhältnisse 1945 war so elementar 
und fundamental, daß es nicht genügt, sie in wenigen gesamtpommerschen Werken zu be 
schreiben. Autor und Verlag haben die bescheidene pommersche Historiographie um eine 
beachtliche Monographie bereichert und zeigen damit einen Ausschnitt aus der deutschen Kata 
strophe von 1945. 
Nach einer einleitenden Darstellung einiger von der ernsten Kriegslage diktierter Zustände 
und Maßnahmen in Pommern in der zweiten Hälfte des Jahres 1944 beschreibt L. in 25 Kapiteln 
das Kriegsgeschehen und die Flucht der einheimischen Bevölkerung in Pommern Nach einem 
nur anderthalb Wochen währenden Vordringen aus ihrem südlich von Warschau bestehenden 
Weichsel-Brückenkopf setzten die ersten Rotarmisten am 26. Januar 1945 bei Schneidemühl ih 
ren Fuß auf das Gebiet der Provinz Pommern. Es waren Angehörige der unter dem Kommando 
des wohl tüchtigsten Marschalls der Sowjetunion, Grigori K. Shukow, stehenden 1. Weißrussi 
schen Front, die ihr strategisches Ziel, die mittlere Oder, bereits Ende Januar erreicht hatte. In 
den folgenden rund sieben Wochen überrollte die Kriegsfurie ganz Hinterpommern Nach ei 
nem längeren Stillstand der militärischen Operationen an Oder, Haff und Dievenow erlitt Vor 
pommern das gleiche Schicksal wie Ostpommern, Anfang Mai 1945 setzten sich die letzten 
deutschen Truppen unter Mitnahme von Tausenden von Zivilisten von Rügen ab. 
L. hat für sein Buch hauptsächlich die im Bundesarchiv verwahrten Berichte zur Dokumenta 
tion der Vertreibung der Deutschen, die im Bundesarchiv-Militärarchiv Freiburg i. Br. liegen 
den Quellen militärischer Provenienz, eine Vielzahl unveröffentlichter privater Berichte und 
eine Fülle persönlicher Mitteilungen damals Beteiligter und Betroffener ausgewertet. Das Lite 
raturverzeichnis weist zwar die beachtliche Zahl von mehr als 100 Titeln auf, deren konkrete 
Verwendung nicht immer angegeben wird, doch hätte es noch vermehrt werden können, z. B. 
um die Tagesbuchaufzeichnungen von Peter Neumann im Bd. 68 (1982) dieser Zeitschrift, den 
Aufsatz »Greifenberg 1945« von Werner Laabs in: »Beiträge zur Greifenberg-Treptower Ge 
schichte«, Jg. 1980, S. 35-43, und nicht zuletzt um das Buch »Unternehmen Rettung. Letztes 
Schiff nach Westen«, 2. Aufl., Herford 1970, von Fritz Brustat-Naval. 
L. vermehrt unser Wissen über Kampfhandlungen und deutsche Absetzbewegungen in 
Pommern erheblich, aber der eigentliche W'ert seines Buches liegt in der unmittelbaren und 
nahtlosen Verknüpfung von Militär- und Fluchtgeschehen, wie es sie in diesem Ausmaß für 
Pommern bisher nicht gegeben hat. Eine Fülle von längeren Zitaten aus Berichten geglückter, 
aber auch gescheiterter Flucht vermittelt ein deutliches Bild vom Elend jener Monate. Zu Recht 
hebt L. des öfteren den Mangel an wichtigen Informationen für die Kämpfer und die Flüchtlinge 
hervor, der manches Handeln bestimmte. 
Die Erwartung, ähnlich wie in der Einleitung der »Dokumentation der Vertreibung der Deutschen 
aus Ost-Mitteleuropa« 1953 vom Bundesvertriebenenministerium herausgegeben, über 
Fluchtmöglichkeiten, -wege, -ausmaß und -ablauf zusammenfassende Aussagen für Kreise oder 
vom Kriegsverlauf gebildete Regionen Pommerns zu erhalten, wird allerdings nicht erfüllt. In 
rein militärgeschichtlicher Hinsicht wird man auch weiterhin auf das 1969 erschienene ausge 
zeichnete Werk von Erich Murawski (s. dazu die Rezension im Band 56 [1970], S. 105-107, die 
ser Zeitschrift), mit dessen Ergebnissen sich L. nicht auseinandersetzt, nicht verzichten können. 
Als Kuriosum sei hier angemerkt, daß L. den Namen der Autorin Ingrid Bidlingmaier in dersel 
ben Form wie Murawski falsch wiedergibt. 
21 in den Text eingearbeitete Karten, darunter auch eine benutzte russische Militärkarte der 
Umgegend von Driesen, erleichtern das Verständnis der militärischen und zivilen Bewegungen, 
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