allem auf gedruckte und ungedruckte, in vielen Archiven der Bundesrepublik und auch im Mili 
tärarchiv der DDR in Potsdam liegende Quellen gestützt, Friedrich-Christian STAHL die Fra 
ge: »Wie >preußisch< war eigentlich noch die preußische Armee nach 1867 bzw. 1871 ?«; wobei 
hierbei nicht Gesinnung, Geist, Haltung, sondern der staatlich-rechtliche Charakter gemeint 
sind. Der Verfasser kommt zu dem Schluß, daß die Entwicklung zur deutschen Armee (siehe 
u. a. die Einführung der Reichskokarde) sich im Laufe einer 40jährigen Friedenszeit und dann 
auf dem Schlachtfelde schrittweise vollzogen habe. Mehrere Anlagen ergänzen den Beitrag. 
Zur Beurteilung der immer noch nicht genügend aufgehellten Zeit Friedrich Wilhelms IV 
(1840-1848) und seines Ministeriums legt Friedrich Wilhelm KANTZENBACH eine ausführ 
liche Darstellung »Gerd Eilers und Kultusminister Eichhorn« vor. Ausgewertet, in die Zeit ge 
stellt und kommentiert werden Eilers (geb. 1790) in sechs Teilen zwischen 1856 u. 1861 veröf 
fentlichte Lebenserinnerungen, in denen er die »politischen Tendenzen in ihrer Wechselwir 
kung mit den religiös-kirchlichen Strömungen« analysiert. »Zur Verwandtschaft der Familien 
von Bismarck und von Katte auf Wust« schreibt Paul HEINSIUS Leiter des Bismarck-Archivs 
in Friedrichsruh eine Miszelle. - 
Für den Bereich, in dem die BALTISCHEN STUDIEN ihre Thematik vornehmlich suchen, 
ist der Raum östlich der Oder überall in den Beiträgen berührt, wird speziell in zwei öffentlichen 
Vorträgen, gehalten im Rahmen der Kommission in der Staatsbibliothek Berlin-West, behan 
delt, welche neuere und neueste Geschichte erfassen: 
»Preußen und der polnische >Novemberaufstand< [gegen Rußland] wird von Gotthold 
RHODE dargestellt, wobei sich u. a. ergibt, daß keine Nation Europas so viele Aufstände wie 
die polnische erlebt hat. Der Beitrag bringt und setzt in Zusammenhang eine Fülle allgemein 
weniger bekannter Details, so über die Wirkung der grassierenden Cholera, an der dann auch 
am 23. August 1831 Gneisenau am 16. November Clausewitz starben. Für die Einschätzung 
von »Preußen in der heutigen polnischen Historiographie« ist der gleichnamige öffentlich gehal 
tene Vortrag Richard BREYERs von hoher Bedeutung, wenn er auch die durch die Preußen- 
Ausstellung aufgeworfenen Probleme und ihr Echo in Polen noch nicht berühren konnte. Als 
bestimmendes Element bleibe in der polnischen Historiographie der »Verbund von Wissen 
schaft und Staatsraison«. - »Gedanken zur Preußen-Ausstellung Berlin 1981« legt Oswald 
HAUSER vor, wobei er u. a. in der sozialen Frage das Fehlen einer komparatistischen Sicht be 
dauert, die erst den richtigen zeitgemäßen Maßstab geben könne. Jedoch habe die Ausstellung 
im Negativen wie im Positiven das Verdienst, die Diskussion über Preußen noch erheblich er 
weitert zu haben. - Mit dieser kritischen Stellungnahme zu dem in mancherlei Hinsicht schwie 
rigen Versuch, Preußen in einer Ausstellung, die viel Material - wenn auch oft in eigenwilliger 
Präsentation - zusammenbrachte, zu zeigen, schließt der Band 4 als eine im Rahmen der Ge 
samtproblematik »Preußen und das Reich« eindrucksvolle Sammlung vielseitiger historischer 
geographischer, geistes- und zeitgeschichtlicher Forschungsergebnisse, zudem von Hinweisen 
auf mögliche weitere Forschungsansätze. Preußen erscheint hier, in außerordentlicher Vielfalt, 
sowohl selbst bewegend, als auch selber bewegt, gefördert, aber auch gehemmt durch die gro 
ßen, in Europa jeweils wirksamen Strömungen. Alle Beiträge, in Sonderheit die beiden öffentli 
chen Vorträge, sind auch eine wesentliche Hilfe für die eigene Standortbestimmung, für das 
Verstehen der Situation unserer östlichen Nachbarn und für - wo sie möglich ist - eine Diskus 
sion mit ihnen. 
Bonn Benno v. Knobelsdorff-Brenkenhoff 
156 
585 NZ 30431-71/74 
Universitätsbibliothek Greifswald 

    

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