Universitätsbibliothek Greifswald 
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garn- und Türkenfrage, von Polen ins Brandenburgische und zu den Schlüsselpositionen im 
Römischen Reich, ja bis nach England und Frankreich das Ganze zu sehen auf dem Hinter 
grund der Spannungen mit den Habsburgern und dem Deutschen Orden. 
Einen vergleichsweise größeren Zeitraum, von der erblichen Übertragung der Mark Brandenburg 
und Kur an das Haus Hohenzollern bis zur Beendigung von Preußens Dasein als sou 
veränem Staat durch die Reichsverfassung von 1871, betrachtet im ersten, einleitenden Beitrag 
W. HUBATSCH; sozusagen als Beginn einer möglichen Untersuchungskette, ob man nicht 
Preußen als einen nur halbsouveränen Staat definieren müsse, d. h., ob von ihm jemals die volle 
und ungeteilte Souveränität hat ausgeübt werden können. Preußen wird hier nicht als ein »von 
Willkür regierter ... wenig loyaler Teil des alten Reiches« gesehen, sondern es hat »starke Bin 
dung und große Verantwortung« diesem gegenüber »empfunden und bewiesen«, wie Oswald 
HAUSER als Herausgeber in seiner Vorbemerkung zum Band ausführt. 
Mit dem Verhältnis Preußens zum Reich nach 1871 befassen sich die anschließend abgedruck 
ten Vorträge. Michael STURMER betrachtet in »Eine politische Kultur- oder zwei?« die Re 
gierungsweise im Kaiserreich mit den beiden Komponenten: Verfassungsmäßig preußisch ge 
prägte politische Kultur und veröffentlichte Meinungen, und hält u. a. fest, daß Deutschland als 
Bildungs- und Sozialstaat Modell aller anderen europäischen Staaten gewesen ist. Mit der Frage 
»Foederalismus, Unitarismus oder Hegemonialstaat?« und mit den bisherigen Interpretationen 
und Arbeiten über diesen Bereich bis zur jüngsten Zeit setzt sich Richard DIETRICH ausein 
ander und umreißt von daher die Aufgabe einer Verfassungsgeschichte des Bismarckreiches. 
Dabei erscheint ihm eine Reduzierung etwa auf die Frage, »ob das Reich verpreußt worden sei 
oder Preußen im Begriff ... gewesen sei, im Reich aufzugehen« nicht möglich. In seinem Refe 
rat »Bundesstaaten und Reich: Der Bundesrat« diesem nach eigener Aussage nicht zureichend 
formulierten Thema belegt Walther Peter FUCHS die Notwendigkeit einer neu angesetzten 
umfangreichen Forschungsarbeit, über deren ersten Abschnitt er vorträgt, dem Versuch, von 
den »Einzelstaaten her den Wandlungen des foederativen Charakters der Reichsverfassung auf 
die Spur zu kommen«. Als Ergebnis zeige sich, daß im Laufe der Zeit der Reichstag dem Bun 
desrat »den Rang des obersten Reichsorgans abgelaufen« habe. Die Auswirkungen der Anfänge 
der Parlamentarisierung im Reich auf Preußen untersucht Helmuth CROON und fügt als ge 
wichtige Dokumentation das Protokoll der Sitzung des preußischen Kronrats vom 9. Juli 1917 
unter Vorsitz Wilhelms II über die politische Gesamtlage und die preußische Wahlrechtsvor- 
lage bei, das den Leser in großer Eindringlichkeit an die damals zu lösenden Probleme heranführt. 
Lothar GALL widmet seinen Beitrag »Zwischen Preußen und dem Reich. Bismarck als Reichs 
kanzler und preußischer Ministerpräsident« Walter Bußmann zum 70. Geburtstag und warnt 
davor, aus einzelnen Äußerungen Bismarcks etwa Grundsatzpositionen abzuleiten. Das natür 
liche Spannungsverhältnis zwischen Preußen und dem neuen Reich sieht er für diesen als eine 
Möglichkeit, Machtpositionen »so gegeneinander auszubalancieren, daß die Vorrangstellung 
der Krone und der monarchischen Exekutive gewahrt blieb«. Im Laufe der Zeit aber habe Bismarck 
Preußen auf eine bestimmte Rolle festgelegt und ihm damit Entwicklungsmöglichkeiten 
abgeschnitten, die in seiner Geschichte durchaus angelegt gewesen seien. 
Die schon in den vorhergehenden Beiträgen deutlich gewordene Vielschichtigkeit des Prozes 
ses des Übergangs des Preußischen Staates in das Deutsche Reich macht Walther HUB ATSCH 
in seinem Überblick über »Das Preußische Staatsministerium von Bismarck bis zum Ende der 
Monarchie« weiter transparent. Der Ausfall der in dessen Person wirksamen verbindenden 
Kraft habe sich außenpolitisch schwerwiegend ausgewirkt, ebenso wie dies im Innern zu einem 
Auseinandertreten der Ressorts führte. Die Feststellung, daß diese Kraft nicht nur aus dem 
Können und politischen Geschick Bismarcks erwuchs, sondern zutiefst im Verantwortungsbe 
wußtsein verankert war, schließt diesen wesentlich auf Quellen aus dem GSTAPK beruhenden 
Beitrag ab. In seinem Vortrag »Preußische Armee und Reichsheer 1871-1914« untersucht, vor 
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