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Universitätsbibliothek Greifswald 
sens hat er die Gerechtigkeit gefördert und die staatliche Gerichtshoheit als Vorausset 
zung für die Bekämpfung der Willkür ausgebaut 12 . Die bewußte Ausrichtung seines po 
litischen Wirkens auf die Förderung des allgemeiner} Wohls, die Herstellung von Si 
cherheit und Ordnung und die Ausweitung der Staatsmacht in seinem Lande festigten 
auch die Stellung Pommerns nach außen 13 . Der schon jahrzehntelang andauernde Kon 
flikt mit dem Hause Brandenburg um die von diesem beanspruchte Lehnshoheit über 
das Herzogtum Pommern konnte zwar auch nicht von Bogislav X beigelegt werden. 
Vor brandenburgischen Übergriffen wurde Pommern während seiner Regierungszeit je 
doch weitgehend bewahrt 14 * . Einen Höhepunkt seiner beharrlichen Verhandlungspoli 
tik bildete hier der Ausgleich von Pyritz vom 26. März 1493, in dem Kurfürst Johann 
den Herzog von Pommern von jeder Lehnspflicht los und ledig sprechen und sich mit 
dem ungewissen Heimfallrecht begnügen mußte 18 . Überhaupt richtete Bogislav X sei 
ne Außenpolitik mit gutem Erfolg auf eine Sicherung seines Landes gegen mögliche Be 
drohungen aus 16 . Die betonte Anlehnung an den Kaiser 17 , bei der durchaus auch Selbst 
bewußtsein und Eigenständigkeit gezeigt wurden 18 , gehörte dazu genauso wie die Hei 
rat mit Margarete von Brandenburg und später mit Anna von Polen 19 . Als die erste Ehe 
nicht die erhoffte Besserung der Beziehungen zwischen Pommern und Brandenburg 
brachte, suchte Bogislav X offenbar Rückhalt außerhalb des Reiches durch eine Verbin 
dung mit dem damals mächtigen König von Polen 20 . 
Es muß überraschen, wenn angesichts dieser Überlieferungen die Erinnerung an Bogislav X 
in weiten Kreisen verblaßt oder ganz erloschen ist, dies um so mehr, als dieser Her 
zog zunächst durchaus der Lieblingsheld des pommerschen Volkes gewesen ist, das sein 
Leben mit sagenhaften Erzählungen ausgeschmückt hat 21 , etwa der von seiner Aufnah 
me als Junge durch den Bauern Hans Lange aus Lanzig, der nach dem Bericht Kant- 
zows nicht nur für ihn sorgte, sondern ihn auch nach dem Tode des Herzogs Erich II 
den, a. a. O., S. 181 f.; Wehrmann, Pommern a. a. O., S. 233 f., 253 f.; ders., Geschichte der Stadt 
Stettin 1911, S. 120 f. 
12 Vgl. dazu Kantzow, a. a. O., S. 331, 334, 344; Heyden, a. a. O., S. 181 f.; Wehrmann, Pommern, 
a. a. O., S. 241; ders., Stettin a. a. O., S. 126 f. 
13 Vgl. Kantzow, a. a. O., S. 334, 379. 
14 Zum Verhältnis Pommerns zu Brandenburg in dieser Zeit vgl. vor allem Kantzow, a. a. O., 
S. 322 f., 337 f., 343 f., 382 f.; ferner Wehrmann, Pommern a. a. O., S. 228 f. und 247 f.; ders., 
Stettin a. a. O., S. 121 f., 137. Wehrmann nimmt im ganzen eine betont pro-brandenburgisdie 
Haltung ein. Wie die Gegenspieler Bogislavs X wirklich einzuschätzen waren, hat keiner deut 
licher gemacht als Friedrich II von Preußen der in den Denkwürdigkeiten zur Geschichte des 
Hauses Brandenburg dem Kurfürsten Johann Cicero (1486-1499) zwanzig und dem Kurfürsten 
Joachim I Nestor (1499-1535) ganze acht Zeilen widmet, vgl. Die Werke Friedrichs des Großen, 
Band 1, Berlin 1913, S. 23 und 24. Im einzelnen vgl. auch Ranke, L. v., Zwölf Bücher preußischer 
Geschichte, 1. Band, Hamburg 1957, S. 146 f., 155 f. 
18 Vgl. Ranke, a. a. O., S. 156; Wehrmann, Pommern a. a. O., S. 248 f. 
16 Bezeichnend sind in diesem Zusammenhang die Absprachen, die Bogislav nach Kantzow 
a. a. O., S. 348, mit den Königen von Polen und Dänemark den Herzogen von Mecklenburg sowie 
dem Markgraf von Brandenburg von seiner Fahrt in das Heilige Land getroffen hat. 
17 Vgl. Kantzow, a. a. O., S. 350, 361 f.; Wehrmann, Pommern a. a. O., S. 253 f.; ders., Stettin 
a. a. O., S. 127. 
18 Vgl. Kantzow, a. a. O., S. 386 f.; so verstand er es etwa, sich aus den Verwicklungen des Kaisers 
mit dem König von Frankreich diplomatisch herauszuhalten, vgl. Kantzow, a. a. O., S. 363 f. 
19 Vgl. Kantzow, a. a. O., S. 323, 329, 341 f. 
20 Vgl. Wehrmann, Pommern a. a. O., S. 252. Der König Kasimir IV .von Polen betrieb seiner 
seits eine aktive nach Westen ausgerichtete Familienpolitik, vgl. Rhode, G., Kleine Geschichte 
Polens Darmstadt 1965, S. 172. 
21 Vgl. Wehrmann, Pommern a. a. O., S. 227; vgl. auch die Angaben bei Oelrichs a. a. O., S. 21 f. 
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