Signatur: 585/ NZ 30431-47/49 
Universitätsbibliothek Greifswald 
Aber die Vision eines Zusammenklanges von See, von Strand und Himmel; von Wald, 
Viehweiden und dem Fluß; von der die Landschaft übertürmenden Kirche von Treptow; 
von dem Schwarz-Weiß der Fachwerkhäuser mit ihren bronzegrünen Strohdächern 
- unterbaut und betont von dem Gefühl der Einsamkeit und des Altertümlichen -, diese 
Erkenntnis erweist sich mir heute als das Wesentliche. Die großen Bilder meines Vaters 
mit den pommerschen Sujets sind nicht abenteuerliche Segler, sondern der Raum an sich. 
Die „Vogelwolke", der „Buhnenstrand", die „Einfahrt in die Rega“ - dies sind Essenzen 
von der Seelandschaft. Regenbogen, Gewitterwände, die „Häuser am Fluß" - eins der 
schönsten seiner Werke, dessen Vorbild den wenig poetischen Namen des „Brambergs" 
trug - der Mond über den Dünen: wieder und wieder gemalt, nicht seinerzeit, nicht an 
Ort und Stelle, sondern Jahrzehnte später, zwischen den Wolkenkratzern von New York 
- dies sind die Entdeckungen, die an Stelle des Erhofften traten. Wenn ich aber 
jetzt schon die Tatsache der Beschwörung des Vergangenen als einen Gegenstand für 
den schaffenden Künstler finde, so merke ich, daß ich vom Land auf den Menschen 
gekommen bin. Um das Bild zu ergänzen, muß ich von seiner Wesenheit sprechen, 
woraus sich dann auch die bestehende Kraft der pommerschen Landschaft beweisen 
Mein Vater war einer von denen, die das Vergangene mehr werten als das Gegenwärtige. 
Er wußte es selbst - es ließ sich nicht ändern! - Wie oft habe ich ihn sagen hören, daß 
ohne Sehnsucht kein Kunstwerk zustande kommt! - Diesen Ausspruch wage ich dahin 
gehend zu ergänzen, daß es nicht Orte sind, nach denen man sich sehnt, auch nicht 
Ereignisse, sondern nichts als Gemütszustände. Nach denen sehnt man sich, und zwar 
erst nachdem sie vorbei sind, und man beschwört sie mittels der Symbole. Der Mond 
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