Signatur: 585/ NZ 30431-47/49 
Universitätsbibliothek Greifswald 
Kirche von Treptow a. d. Rega, 22. Juni 1925 
Grund, wieder schwankend zu werden; im Gegenteil vielleicht. Denn mit besseren Ver 
bindungen stellten sich auch allerlei Reisende ein, denen man lieber nicht begegnet 
wäre. Nein, es muß so sein, daß unwiderstehlich sich der Geist des Ortes eingeschlichen 
hatte, welcher anders wirksam war als bloße äußere Bequemlichkeiten. Erwartet, erhofft 
hatte mein Vater im Anfang wohl ein Wiederaufblühen der glücklichen Zeiten am 
Strand von Heringsdorf, von 1909, 1910 usw. An Stelle des reichen Segelschiffverkehrs 
von den Vorkriegsjahren fand er einen verlassenen, ich möchte sagen einen wilden 
Strand, viel Sturmwetter, Einsamkeit. Statt der glatten See im Lee von Usedom die 
offene Küste, dem vorherrschenden Westwind ausgesetzt, so daß die donnernde Bran 
dung fast jeden Tag zu hören war. Was von Seglern noch übrig war, vermied es in Sicht 
von Land zu steuern. An Stelle der stattlichen Fischerflotte von Swinemünde, diesen 
ansehnlichen großen Kuttern und Ewern, waren einige ärmliche Ruder- und Segelboote 
alles, was sich dem Auge bot. - Dies waren zunächst Enttäuschungen. Selbst das fried 
liche Lagern am Strand, an welches mein Vater von früher her gewohnt war, war nur 
selten zu haben. An vielen Tagen pfiff und zischte der Flugsand am Strande, die 
rollende See schwoll so, daß nur ein paar Fuß breiter Sandstreifen zwischen Dünen und 
Brandung blieb. Schlüpfrige Partien von schwarzem Torfmoor wurden vom Sturm ent 
blößt. Nach solchem Wetter war oft der Strand auf große Entfernung verpestet von 
verwesenden Tümmlern, die mühsam und mit zugehaltener Nase im Sand bestattet 
wurden. 
So bleibt es die See und ihr unendlicher Raum, was den Künstler immer wieder nach 
diesem selben Ort zog. Diese Erkenntnis mag wohl nur langsam zum Bewußtsein durch 
gedrungen sein. Anfänglich war es gewiß die Abwesenheit von anderen Anziehungen. 
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