Full text: Die Notwendigkeit einer Neueinteilung der preußischen Landtagswahlkreise

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IV. 
Die ganz besonders ungünstige Stellung der großen 
Städte in der jetzigen Wahlkreiseinteilung ist bereits oben gestreift. In 
der Verkümmerung des Wahlrechtes der großen Städte zeigt sich die krasse 
Ungerechtigkeit, die in der Verteilung der Abgeordnetenmandate gegen 
wärtig herrscht, am deutlichsten. Seit langer Zeit haben daher die 
Angriffe gegen unsere verrottete preußische Wahlkreiseinteilung mit einer 
gewissen Regelmäßigkeit gerade an dieser Stelle immer wieder eingesetzt. 
Indessen haben sich diese Kritiken meist in noch stärkerem Maße, als 
die Angriffe gegen die Wahlkreiseinteilung überhaupt, auf der Oberfläche 
bewegt. Man hat die ins Ungeheure angewachsenenen Wahlkörper der 
großstädtischen Riesenwahlkreise im Wesentlichen alsWahlkuriosa 
behandelt; man hat es unterlassen, sie planmäßig für alle Landesteile 
denjenigen Wahlkreisen gegenüber zu stellen, die eine ganz oder vorwiegend 
ländliche Wählerschaft haben. Man hat sich bisher aus eine Zusammen 
stellung der Bevölkerungsziffern der Großstädte beschränkt, und 
meines Wissens ist es zuerst Siegfried gewesen, der ganz systematisch 
an der Hand der Steuerstatistik dargetan hat, wie gering das 
Vertretungsrecht der größten preußischen Städte im Abgeordnetenhause 
im Vergleich zu ihrer bedeutenden Steuerleistung ist und wie 
häufig diese Steuerleistung den Staatsdurchschnitt um ein Viel 
faches übersteigt. 
Von den 28 preußischen Großstädten, deren Einwohnerzahl 
nach der amtlichen Publikation über die vorläufigen Ergebnisse der Volks 
zählung vom 1. Dezember 1905 Hunderttausend überstieg, bilden 
nur 13 je einen selbständigen, einheitlichen und ungeteilten Wahlkreis 
für sich. Es sind dies: Breslau, Cöln, Frankfurt a. M., Hannover, 
Magdeburg, Charlottenburg, Essen, Stettin, Dortmund, Altona, Posen, 
Kassel und Crefeld. Berlin ist seit der Gesetzesnovelle vom 28. Juni 1906 
künftig in 12 selbständige Wahlkreise mit 12 Abgeordneten eingeteilt, 
an Stelle der bisherigen 4 Wahlkreise mit zusammen 9 Abgeordneten. 
Außerdem sind zu je einem selbständigen, einheitlichen und ungeteilten, 
Wahlkreise zusammengelegt die Städte Elberfeld und Barmen, Rixdorf 
und Schöneberg, Duisburg und (die Mittelstadt) Oberhausen. Die 
übrigen preußischen Großstädte: Düsseldorf, Königsberg i. Pr., Halle a. S.,
	        
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