Full text: Schwedisch-Pommersch-Rügianischer Staats-Calender (1762)

Gebrauch der jedem Monat beygefüigten Uhren-Tabelle. 
Der scheinbare Lauf der Sonne ist aus zweyerley 
Ursachen, deren jede ohne die andere bestehet, un- 
gleichfsörmig; erstlich, wegen der nicht volkommen Circul- 
runden Bahn, worin sich die Erde um die Sonne be- 
weget, in deren Mittel- Punkte die Sonne auch nicht 
lieget; zweytens wegen der Schräge der Ecliptic gegen 
den Æquator. Stehet die Erde in ihrem Aphelio, oder 
weitesten Abstande von der Sonne, so scheinet sich diese 
um ein merkliches langsamer zu bewegen, als in dem 
mittlern Abstande, hingegen in dem Perihelio der Erden 
um ein merkliches geschwinder. Weil ferner die Fläche 
der Erd-Bahn mit der Fläche des Æquatoris einen 
Winkel von 23 und einen halben Graden machet, so 
können ohnmöglich gleiche Bögen der Ecliptic mit 
gleichen Bögen des Æquators zutreffen, oder, daß wir 
nach der Kunst reden, die Declinations-Circul, welche 
z. E. von 10 zu 10 Graden durch die Ecliptic bis auf 
den Æquator gezogen werden, können auf diesem nicht 
gleiche Bögen von 10 zu 10 Graden abschneiden. 
Woraus denn folget, daß die Sonnen-Tage einander 
nicht gleich sind, und die wahre Bewegung der Sonne 
zum Zeit-Masse nicht angenommen werden kan. Man 
bildet sich also ein, als ob eine andere Sonne sich in 
der That gleichförmig, und zwar im Æquator fortbe- 
wegete, so daß sie ihren Circul just in einerley Zeit, 
als die wahre Sonne ihre Bahn, vollendete, so würde 
sie täglich 59 Minuten, 8 Secunden zurücke legen, und 
über dieses allezeit just in 24 Stunden vom mittags 
Circul bis wieder an denselbigen zu lauffen scheinen, 
folglich lanter gleiche Tage machen. Diese gleichför- 
mige Bewegung nun ist das Maaß der sogenannten mitt- 
lern Zeit, oder des Temporis medii; und unsere Pen- 
dul-Uhren zeigen uns dieselbige gleichfalls. Die wah- 
re Zeit aber wird von der wahren Sonne gezeiget: 
also ist z. E. um 3 Uhr Nachmittage, nach der wah- 
ren Zeit, wann die Sonne würklich in den dritten Stun- 
den-Circul zu stehen kommet. Diese wahre Zeit wird 
von richtig verfertigten Sonnen- Uhren gezeiget. Nun 
ist klar, daß die erdichtete und wahre Sonne, folglich 
auch die mittlere und die wahre Zeit, fast immer von 
einander unterschieden seyn müssen; und weil man sowol 
in Astronomischen Rechnungen als auch bey Stellung 
der Uhren die mitlere Zeit unentbehrlich nöthig hat, so 
ist einem jeden Tage diese Abweichung beygesetzet worden. 
Der Gebrauch dieser Tabelle ist gar leicht. Wenn 
man auf einen jeden Tag des Jahres die wahre Zeit 
in die mittlere verwandeln, das ist, wissen will, wie viel 
die Pendul-Uhr von der Sonnen-Uhr abgehet, so darf 
man nur den Tag im Calender ausschlagen, und die 
an demselbigen in der Tabelle angezeigte Æquation, 
unter ihrer Beyschrift gebrauchen. Geht die Uhr ge- 
schwinder als die Sonne, so werden die Secunden zu der 
wahren Zeit gesetzt, gehet aber die Uhr langsamer, so werden 
die angezeigten Secunden abgezogen, so komt in beyden Fäl- 
len die mittlere Zeit heraus. Dahero ist klar, daß, wenn 
addiret wird, die mittlere Zeit der wahren, wenn aber 
subtrahiret wird, die wahre Zeit der mittern vorsprin- 
get. Weil sich die Æquation von einem Tage bis 
zum andern kaum höchstens eine halbe minute ändern 
kan; so kan auch diese Methode zum täglichen und ge- 
meinen Gebrauch schon zureichen. Will man aber 
scharf verfahren, so muß für jede gegebene Zeit des 
Tages der Ort der Sonne bestimmt, und die ihm zu- 
gehörige Æquation durch Erfindung des proportionir- 
lichen Theils, gesucht werden, wie den Kennern Astrono- 
mischer Rechnungen genugsam bekannt ist. 
Will man aber eine gegebene mittlere Zeit in die 
wahre verwandeln, so kehret man bloß die Addition in 
eine Subtraction, oder diese in jene, so findet man alle- 
mal die wahre Zeit. Man kan aber diese Tabelle zur 
richtigen Stellung der Pendul- Uhren gebrauchen, man 
mag sie bey dem Durchgang der Sonne durch den 
Mittags-Circul auf 12 richten, an welchem Tage man 
will. Z. E. den 8 Julius, im wahren mittag, stelle 
man die Pendul Uhr accurat auf 12 Uhr; nun fragt 
sichs, wie viel sie den folgenden wahren Mittag weisen 
soll, wenn sie recht nach der mittleren Bewegung der 
Sonne gehet. 
Wenn man in der Uhren Tabelle unter diesem Tage 
nachschlaget, so findet sich, daß zwischen diesem und dem 
folgenden Tage die Sonnenzeit die Mittlere um 10 Se- 
cunden übertreffe, mithin wird die Uhr, wenn sie sich genau 
nach der mitleren Zeit beweget. den 9 Julius 12 Uhr 10 
Secunden anzeigen, wenn der Mittelpunckt der Sonne 
in dem Mittag stehet. Wäre am 9 Julius die Sonne 
nicht sichtbar, sondern man lönte erst am 12ten oder an 
einen andern Tag den Durchgang der Sonne durch den 
Mittag eines jeden Ortes bemerken, so müssen die zwischen 
den Tagen angemerkte Abweichungen der Sonne zu der 
mittleren Zeit entweder addiret werden, wenn der Son- 
nen Tag langer ist, als der mittlere, oder abgezogen wer- 
den, wenn jener kürzer ist, als dieser. Solte es sich aber 
ereignen, daß in der Zwischenzeit, die Sonne theils lang- 
samer, theils geschwinder sich beweget hätte, als wenn 
z. E. die Beobachtung am 23 Julius und den 4 August 
angestellet worden, so werden die Ueberschüsse der wah- 
ren Zeit über die mittlere vom 23sten bis den 27 Julius 
5 Secunden, die Ueberschüsse aber der mittlern über die 
wahre Zeit vom 27 Jul. bis den 4 August 25 Secunden 
betragen; der kleine Uberschuß wird alsdenn von dem 
grössern abgezogen, der Ueberrest zeiget alsdenn an, um 
wie viel die Uhr an dem wahren Mittag sodenn differiren 
muß. Als im gegenwärtigen Exempel wird die Uhr um 
10 Secunden differiren, das ist, es wird die Sonne den 
4 August im Mittag seyn, wenn die Uhr 11 Stunden 
59 Minuten und 40 Secunden weisen wird. 
Erklärung
	        

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