Eine Erinnerung an Alfred Haas (1860-1950) von Hellmut Hannes Alfred Haas, den älteren Pommern als ein unermüdlicher Sammler und Herausgeber heimi ­ scher Sagen und Märchen bekannt, wurde 1860 in Bergen auf Rügen geboren. Später wurde er durch seine berufliche Laufbahn nach Stettin geführt und verbrachte dort sechs Jahrzehnte seines Lebens. Hochbetagt kehrte er 1944 in seine Geburtsstadt zurück, wo er 1950 im Alter von 90 Jahren starb. Schon in jungen Jahren war er der Gesellschaft für pommersche Geschichte und Altertums ­ kunde beigetreten und ist dort sein Leben lang aktiv tätig gewesen. Bei seinem Ableben würde ihm die Gesellschaft gewiß ein besonderes Gedenken gewidmet haben, wenn sein Tod nicht gerade in die Zeit ihres nur latenten Fortbestehens gefallen wäre. So aber sucht man in den BAL ­ TISCHEN STUDIEN, deren Erscheinen von 1941 bis 1954 unterbrochen war, vergeblich nach einem Nachruf für Alfred Haas. Es erscheint daher angebracht, Leben und Werk des verdienten Mannes noch einmal festzuhalten 1 . Den äußeren Anlaß dazu bot das Auftauchen eines von ihm selbst verfaßten Lebensberichtes, der sich im Besitz seiner Tochter, Frau Margarete Haas, befindet. Dieser Bericht, den Haas im Alter von etwas über Sechzig aufgezeichnet hatte, ist hier auszugsweise wiedergegeben und durch einige ergänzende biographische Angaben vervollständigt 2 . Lassen wir sogleich Alfred Haas selbst zu Worte kommen, der seine äußerst knapp gehaltene Darstellung in der dritten Person, quasi als unbeteiligter Beobachter abgefaßt hat und wie folgt beginnen läßt: Alfred Moritz Gottlieb HAAS, geboren am 8. 7. 1860 zu Bergen auf Rügen, besuchte die dor ­ tige Knabenschule und von Michaelis 1872 bis Michaelis 1878 das kgl. Paedagogium zu Putbus auf Rügen, dem er als Alumnus angehörte 3 . Nachdem er im August 1878 zu Putbus das Abi ­ turientenexamen bestanden hatte, studierte er in Greifswald 4 Jahre alte Sprachen und Geschich ­ te, und anfangs auch Theologie. Am 15. 11. 1882 wurde er Konrektor an der Knabenschule in Bergen auf Rügen und versah dieses Amt bis Ostern 1883. Während des Sommerhalbjahrs 1883 unterrichtete er an der höheren Mädchenschule in Bergen und bestand im Dezember 1883 in Greifswald das Testamen rigorosum, worauf er am 25. 2. 1884 auf Grund der Dissertation »Qui- bus fontibus Aelius Aristides in componenda oratione hyper ton tettaron usus sit« zum Dr. phil. promoviert wurde. Am 8. 1. 1885 bestand er das Examen pro facultate docendi. Von Ostern 1885 bis Ostern 1886 absolvierte er das Probejahr am Marienstiftsgymnasium zu Stettin und war während dieser Zeit zugleich Mitglied des kgl. Seminars für gelehrte Schulen zu Stettin, Königsplatz 7. 1 Noch wenige Wochen vor dem Tode von Alfred Haas hatte Hans Siuts eine kurze Würdigung zu seinem 90. Geburtstag verfaßt (»Pommern-Brief« vom 1. 7. 1950 S. 6). Zehn Jahre später erinnerte die Pommer ­ sche Zeitung (vom 30. 7. 1960) in einer Notiz von wenigen Zeilen an seinen 100. Geburtstag. In ähnlich kurzer Form wurde schließlich 1975 in der Zeitschrift »Pommern« (Jg. 13 H. 3 1975 S. 42) des 25. To ­ destages von Alfred Haas gedacht. 2 Der Verfasser dankt an dieser Stelle Frau M. Haas, Bad Eilsen, für die freundliche Überlassung jenes Berichtes und anderer Unterlagen sowie für die Mitteilung persönlicher Erinnerungen an ihren Vater. Auch die Porträtphotographie hat Frau Haas für den Abdruck zur Verfügung gestellt. Vgl. auch Anm. 7. 3 Ergänzend sei hier der Name des Vaters angegeben: Julius Otto Haas, Kreissekretär und später Kanzleirat zu Bergen. 130 585 NZ 30431-71/74 Universitätsbibliothek Greifswald