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Hebt sich der erste Tag der Roggenernte in irgendeiner Weise von den anderen Erntetagen ab?

 In dem hiesigen reinen Bauerndorf nicht. Auch solange ich zurückdenken nicht. Es handelt sich hier um eine Siedelung aus der Zeit Friedrichs II. Die Siedler kamen aus der Pfalz, Baden-Durlach, beide Mecklenburg und schwed. Vorpommern. Infolgedessen hatte damals jeder sein eigenes Brauchtum, das bald verloren ging.

 So gibt es z.B., besonders in Vorpommern, folgenden Brauch, der meist an den ersten Erntetag geknüpft ist: wenn die Arbeiter abends vom Felde nach Hause kommen, finden sie eine Waschbalje mit Wasser vor dem Gutshause stehen. In dieser schwimmen, unter Kletten oder Brennnesseln versteckt, Birnen, Äpfel, eine Flasche mit Schnaps und dgl. Jeder darf sich etwas fischen. Dabei gibt es ein großes Geplansche. – Ist Ihnen dieser Brauch bekannt? Beschreiben Sie ihn bitte kurz.

 Ich habe nie davon gehört. Auch unsere Alten wissen nichts davon.

 Der Brauch führt in Pommern verschiedene Bezeichnungen, z.B. „Bunt Water“. Wie heißt er mundartlich in Ihrem Ort?

 Auf dem benachbarten Gutshofe Preetzen war „Bunt Water“ mit Brennnesseln Sitte. Es waren aber keine Äpfel und Birnen darin, denn die gibt es um die Zeit, wenn der Roggen angeschnitten wird noch nicht, aber Stachel- und Johannisbeeren waren darin.

Kennen Sie folgenden Brauch aus der Erntezeit? Wenn der Besitzer oder der Verwalter zu den Arbeitern aufs Feld kommt, dann gehen die Mäher um ihn herum und streichen die Sensen. Dazu sagen sie Sprüche auf und bekommen dafür Geld. Bitte beschreiben Sie den Brauch kurz und teilen Sie, wenn möglich, auch die dazu gesagten Sprüche mit.

 Als noch mit Sensen gemäht wurde, war es in Peetzen Sitte. Heute ist die Wintergerste das erste Korn. Ein Mäher u. 1 Binder mähen ein Schwad herum, und dann kommt der „Trecker“ mit dem Binder. Die Poesie ist dahin. In Bauerndörfern war sie kaum vorhanden, denn der Bauer ging seinen 1-2 fremden Mähern mit gutem Beispiel in der Arbeit voran

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