Digitale Bibliothek


585 NZ 30431-56/58
Universitätsbibliothek Greifswald
Frieda Endeil. Am 21. März 1945 um Mitternacht, kurz vor der Eroberung Stettins
durch die Rote Armee, begann auf Anweisung des Oberbürgermeisters Faber der Ab
transport der Gemälde und Graphiken nach Coburg Sie wurden auf der Veste Coburg
und zum Teil in München aufbewahrt. Der Öffentlichkeit zugänglich waren nur wenige,
sehr wertvolle Bilder, wie etwa die von Frans Hals und Liebermann.
Wenn auch die Stadt Coburg in den fünfziger und sechziger Jahren sich der Auf
bewahrung der Sammlung mit Sorgfalt annahm, so waren die Bilder und Graphiken
doch praktisch unzugänglich. Die Beziehungen Pommerns zu Coburg waren mehr oder
weniger zufällig (sie bestanden darin, daß Stettins letzter Oberbürgermeister wie
auch der NS-Gauleiter Pommerns aus Coburg stammten). Von Anfang an schien es
daher naheliegend, eine Verlegung der Stettiner Kunstschätze in das Patenland
Pommerns, nach Schleswig-Holstein anzustreben, zumal der bei weitem größte Teil der
vertriebenen Pommern im Norden Deutschlands Fuß gefaßt hatte.
Einer der ersten, die sich um eine würdige und für die ehemaligen Stettiner erreichbare
Unterbringung der Bilder bemühten, war Konsul Carl Meister, nach ihrer Wieder
gründung 1955 erster Vorsitzender und zuletzt Ehrenmitglied der Gesellschaft für
pommersche Geschichte, Altertumskunde und Kunst. Eine Entscheidung im Sinne dieser
Bestrebungen wurde aber erst durch das am 16. Dezember 1966 vom Schleswig-
Holsteinischen Landtag beschlossene „Gesetz über die Errichtung der Stiftung Pom
mern“ möglich. Diese Neugründung wurde nötig, weil die „Stiftung preußischer
Kulturbesitz“ als eine öffentlich-rechtliche Einrichtung den im Kriege verlagerten Kunst
besitz nur einer gleichartigen Stiftung als Leihgabe überlassen konnte. In einer zu dem
Gesetz erlassenen „Verordnung über die Satzung der Stiftung Pommern“ vom 2. Juli
1967 wird der Zweck der Stiftung folgendermaßen umrissen:
§ 2 Zweck der Stiftung
Die Stiftung hat den Zweck,
1. aus dem Patenschaftsverhältnis des Landes Schleswig-Holstein zu Pommern erwachsende
Aufgaben mit wahrzunehmen, insbesondere Vorschläge grundsätzlicher Art über Entwick
lung und Ausgestaltung des Patenschaftsgedankens zu machen sowie Kreise und Gemeinden
in diesem Sinne zu beraten,
2. in enger Zusammenarbeit mit der Stiftung „Preußischer Kulturbesitz“ entsprechend dem § 96
des Bundesvertriebenengesetzes pommersches Kulturgut zu erhalten sowie pommersche
Museen, Archive, Büchereien und sonstiges Schriftgut zu sichern, zu ergänzen und auszuwerten,
3. die durch das Gesetz zur Regelung der Rechtsverhältnisse nicht mehr bestehender öffentlicher
Rechtsträger (Rechtsträger-Abwicklungsgesetz) erfaßten pommerschen Kulturgüter zur treu
händerischen Verwaltung zu übernehmen,
4. Vermögensgegenstände pommerscher juristischer Personen des öffentlichen Rechts ein
schließlich der aus diesen Vermögensgegenständen gezogenen Nutzungen und etwaiger Ver
äußerungserlöse zu erfassen und treuhänderisch zu verwalten, insbesondere die unter das
Rechtsträger-Abwicklungsgesetz fallenden Vermögensgegenstände,
5. die Arbeitsergebnisse der Heimatsortskartei Pommern zu übernehmen und auszuwerten,
6. Akten sowie sonstige Unterlagen und Arbeitsergebnisse der Heimatauskunftsstellen, Aus
gleichsämter und der Verwaltungsgerichte, soweit sie Pommern betreffen, auszuwerten und
gegebebenenfalls zu übernehmen,
7. alle privatrechtlichen Stiftungen, die Beziehungen zu Pommern haben, zu erfassen und in
enger Zusammenarbeit mit den Organen dieser Stiftungen zu betreuen.
Erst jetzt war es möglich, mit Hilfe eines Entscheids der Stiftung Preußischer Kultur
besitz eine Verlagerung der Stettiner Kunstschätze von Coburg nach Kiel zu erreichen:
96